Aqaras Cameras 2026: G350, G400 Wired und die Integration in Home Assistant
Dank Matter 1.5 und verbesserter lokaler Schnittstellen positioniert sich Aqara zunehmend als attraktive Option für Home Assistant – auch wenn die volle Matter-Kamera-Integration noch auf sich warten lässt.
Lange Zeit galten Kameras als die „Sorgenkinder" des Matter-Protokolls. Während Sensoren und Steckdosen längst universell kommunizierten, blieben Videostreams oft in den proprietären Apps der Hersteller gefangen. Aqara bricht diese Barrieren im Frühjahr 2026 Schritt für Schritt auf. Mit der Einführung des Camera Hub G350 und der G400 Wired präsentiert das Unternehmen Hardware, die nicht nur durch technische Daten wie 4K-Auflösung und PoE besticht, sondern vor allem durch ihre Offenheit für lokale Steuerungssysteme – Stichwort RTSP, ONVIF und Matter-Bridge.
Die neue Hardware-Generation: G350 und G400 Wired im Detail
Bevor wir uns der softwareseitigen Einbindung widmen, lohnt ein Blick auf die Technik.
Camera Hub G350 – das neue Innen-Flaggschiff
Der Aqara Camera Hub G350 ist das neue Flaggschiff für den Innenbereich und wurde am 17. März 2026 international für 139,99 USD veröffentlicht – in China war er seit Anfang Februar erhältlich. Aqara bewirbt ihn als weltweit erste Matter-zertifizierte Kamera (Matter-Zertifizierung vom 10. Februar 2026).
Erstmals kommt hier ein Dual-Linsen-System zum Einsatz, das eine 4K-Weitwinkel-Optik (3840×2160, 133° diagonal, f/1.6) mit einem 2,5K-Teleobjektiv (2560×1440, 43° diagonal, f/1.6) kombiniert. Daraus resultiert ein 9-facher Hybridzoom, der Details selbst in großen Räumen scharf einfängt. Die Aufnahme erfolgt mit 20 fps (H.264). Das motorisierte Pan/Tilt ermöglicht eine echte 360°-Abdeckung mit bis zu 30 Preset-Positionen.
Beim Nachtsicht setzt Aqara auf 940-nm-Infrarot-LEDs, die unsichtbar bleiben und keinen störenden Rotschimmer erzeugen – das Bild ist dabei allerdings Graustufen, kein Farb-Nachtsichtmodus. Die Stromversorgung erfolgt per USB-C (5V/2A); PoE wird nicht unterstützt, der G350 ist ein reines Indoor-Gerät ohne IP-Schutzklasse.
Die lokale KI verarbeitet Bild- und Audiodaten direkt auf der Kamera und erkennt Personen, Tiere, Gesichter, Lächeln, Bewegungen sowie Geräusche (Alarm, Baby, Husten, Bellen). Auto-Tracking mit Close-up-Zoom rundet das Paket ab. Erweiterte Funktionen wie Fahrzeug-/Paketerkennung und Video-Zusammenfassungen sind dem kostenpflichtigen HomeGuardian-Abo vorbehalten (49,99 USD/Jahr pro Kamera).
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Doorbell Camera G400 Wired – die kabelgebundene Türklingel
Die G400 Wired bedient den wachsenden Bedarf an stabilen Sicherheitslösungen für den Außenbereich. Im Gegensatz zum Vorgänger G4 setzt die G400 primär auf kabelgebundene Stromversorgung: Sie unterstützt sowohl Power over Ethernet (PoE) als auch 8–24V AC/DC über vorhandene Klingelverkabelung. Ein Akkubetrieb ist nicht vorgesehen. Dies eliminiert das Batterieproblem und ermöglicht einen stabilen, hochauflösenden 2K-Stream (1536×2048 Pixel) im vertikalen 3:4-Format mit 165°-Sichtfeld – ideal, um Besucher von Kopf bis Fuß im Blick zu behalten.
Besonders relevant für Home-Assistant-Nutzer: Die G400 ist die erste Aqara-Türklingel mit RTSP- und ONVIF-Support, was eine direkte Einbindung in NVR-Systeme und HA ohne Umwege ermöglicht. Weitere Ausstattungsmerkmale sind Wi-Fi 6 Dual-Band, WPA3, IP65-Wetterschutz, MicroSD-Slot bis 512 GB sowie NAS-Backup via SMB. Der Preis liegt bei 99 USD.
Ein wichtiger Hinweis: Die G400 ist nicht direkt Matter-zertifiziert und verfügt über keinen nativen Matter-Support. Sie unterstützt HomeKit Secure Video, Alexa, Google Home und SmartThings über die jeweiligen herstellerspezifischen Integrationen – für eine Matter-Einbindung wäre ein externer Matter-Controller wie der G350 oder Hub M3 erforderlich.
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Technische Daten im Überblick
| Feature | Camera Hub G350 | Doorbell Camera G400 |
|---|---|---|
| Auflösung | 4K (Wide) + 2,5K (Tele) | 2K (1536×2048) |
| Framerate | 20 fps | – |
| Sichtfeld | 360° (Pan/Tilt motorisiert) | 165° (Diagonal, 3:4-Format) |
| Konnektivität | Wi-Fi 6, Zigbee 3.0, Thread | PoE, 8–24V AC/DC, Wi-Fi 6 |
| Protokolle | Matter 1.5, RTSP, HomeKit | RTSP, ONVIF, HomeKit |
| Matter-Status | Matter 1.5 zertifiziert | Kein nativer Matter-Support |
| Besonderheiten | Lokale KI, Zigbee-Hub, Thread Border Router | ONVIF-Support (neu), IP65 |
Matter 1.5: Was der Standard wirklich verspricht
Für die Smart-Home-Welt ist die wichtigste Neuerung die Matter-1.5-Zertifizierung des G350. Dieser Standard wurde am 20. November 2025 von der Connectivity Standards Alliance (CSA) veröffentlicht und ist die erste Matter-Version überhaupt mit Kamera-Support – in früheren Versionen (bis einschließlich 1.4) war Kameras kein eigener Gerätetyp zugewiesen.
Matter 1.5 definiert insgesamt neun Kamera-Gerätetypen (Camera, Snapshot Camera, Intercom, Video Doorbell, Audio Doorbell, Floodlight Camera u. a.) und überträgt Bild und Ton via WebRTC – demselben Standard, der auch bei Videokonferenzlösungen zum Einsatz kommt. Zwei-Wege-Audio ist integraler Bestandteil der Spezifikation. Hinzu kommen Cluster für Zonenmanagement, PTZ-Steuerung (physisch und digital) sowie eventbasierte Clip-Uploads in Cloud-Speicher.
Was Matter 1.5 nicht abdeckt: eine standardisierte On-Device-KI (Objekterkennung, Gesichtserkennung etc. bleiben herstellerspezifisch), Clip-Playback innerhalb der Plattform sowie eine einheitliche Speicherverwaltung.
Home Assistant Integration: Stand März 2026
Die Realität: Matter-Kamera-Support fehlt noch
Hier muss klar kommuniziert werden, was aktuell möglich ist – und was nicht. Home Assistant unterstützt Matter-Kameras zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Die aktuelle Version (2026.3.x) implementiert Matter bis maximal Version 1.4.2. Wer die G350 per Matter in Home Assistant einbindet, sieht sie als Bridge-Gerät; Kamera-Cluster erscheinen als „unknown", es stehen weder Videoentitäten noch Bewegungssensoren zur Verfügung.
Die Plattform mit dem aktuell einzigen funktionierenden Matter-Kamera-Support ist Samsung SmartThings – und selbst dort fehlen noch PTZ-Steuerung via Matter, bewegungsgesteuerte Aufnahmen und ein vollständiger Clip-Verlauf.
Die technischen Vorarbeiten in Home Assistant laufen allerdings: HA 2026.1 führte eine integrierte WebRTC-Integration ein, die explizit als Vorbereitung für Matter-Kamera-Support beschrieben wurde. Parallel migriert das HA-Team das Matter-Backend von der C++/Python-SDK auf Matter.js (TypeScript-basiert, seit Januar 2026 in der Beta). Die Open Home Foundation hat bestätigt, dass Matter 1.5 der nächste Fokus ist – einen konkreten Zeitplan gibt es jedoch noch nicht. Ein möglicher Ankündigungstermin ist die State of the Open Home am 8. April 2026 in Utrecht.
Der bewährte Weg: RTSP und Go2RTC
Für Home-Assistant-Nutzer ist der aktuell sinnvollste Integrationsweg RTSP. Sowohl die G350 als auch die G400 erlauben die Aktivierung eines lokalen RTSP-Streams über die Aqara-Home-App (drei Streams beim G350: 360p, 1080p, 2160p).
Die Nutzung von RTSP in Kombination mit dem Add-on Go2RTC oder der Integration Frigate ermöglicht Funktionen, die Matter (noch) nicht bietet:
Objekterkennung via Frigate: Nutzt die Rechenpower des HA-Servers (z. B. mit einem Coral TPU), um zwischen Postboten, Nachbarn oder streunenden Katzen zu unterscheiden – unabhängig von der geräteeigenen KI.
Aufzeichnung auf ein NAS: Während Aqara Cloud-Abos anbietet, erlaubt RTSP das direkte Speichern des Streams auf eine Synology oder einen lokalen Server. Die G400 unterstützt zusätzlich NAS-Backup via SMB direkt aus der Aqara-App.
Nahtlose Dashboard-Integration: RTSP-Streams lassen sich via WebRTC fast latenzfrei in Lovelace-Dashboards einbetten.
Alternativ ist auch die HomeKit-Integration in HA möglich – über den bekannten HomeKit Device-Weg sind Live-Video und Bewegungssensor nutzbar, die Auflösung ist dabei auf 1080p limitiert.
Automatisierungspotenzial: Wenn die Kamera zum Sensor wird
Auch ohne nativen Matter-Kamera-Support in HA lässt sich das Automatisierungspotenzial der neuen Aqara-Modelle voll ausschöpfen – dank RTSP-Integration und der Matter-Bridge-Funktion des G350.
Denn der G350 agiert gleichzeitig als Zigbee 3.0 Hub und Thread Border Router. Über die Matter-Bridge-Funktion lassen sich Aqara-Zigbee-Sensoren an den Kamera-Hub koppeln und erscheinen dann automatisch als Matter-Devices in Home Assistant. Das ist besonders nützlich, wenn die Reichweite des primären SkyConnect- oder Zigbee-Sticks nicht bis in entlegene Winkel des Hauses reicht. Wichtig dabei: Über diese Bridge werden ausschließlich Aqara-eigene Zigbee-Geräte eingebunden – Drittanbietergeräte (IKEA, Sonoff etc.) werden nicht unterstützt. Zudem ist der Funktionsumfang einiger Sensoren im Bridge-Modus gegenüber der nativen Einbindung reduziert.
Mögliche Szenarien für HA-Nutzer:
Gezielte Beleuchtung: Erkennt die G350 im Wohnzimmer eine Person (via Frigate oder lokaler KI), wird die Szene „Abendlicht" aktiviert. Da die Kamera zwischen Haustieren und Menschen unterscheidet, bleibt das Licht aus, wenn nur der Hund durch das Zimmer läuft.
Intelligente Türklingel: Wenn die G400 Wired eine Bewegung vor der Tür erkennt, kann Home Assistant eine TTS-Ansage über die Sonos-Speaker ausgeben und gleichzeitig einen Snapshot per Telegram oder Signal verschicken.
Sicherheits-Kaskade: Bei erkannter Bewegung im Außenbereich schaltet HA alle Außenlichter auf 100% und sendet ein Snapshot-Bild direkt an das Smartphone des Besitzers.
Ausblick: Aqara FP400 Multi-Sensor
Auf der CES 2026 stellte Aqara auch den FP400 Spatial Multi-Sensor vor – Aqaras bislang leistungsfähigsten Präsenzmelder. Das Gerät kombiniert mmWave-Radar mit KI und kann bis zu 10 Personen gleichzeitig tracken (doppelt so viele wie der FP2). Posturerkennung (Stehen, Sitzen, Liegen), Sturzerkennung und eine Zonenauflösung von 0,5-Meter-Rastern auf bis zu 10 × 8 Metern runden das Profil ab. Konnektivität: Thread + Zigbee, Matter-fähig.
Der FP400 ist allerdings noch nicht im Handel – Preis und konkreter Liefertermin wurden bislang nicht kommuniziert.
Fazit: Aqara 2026 – großes Potenzial, realistisch eingeordnet
Mit den 2026er-Modellen hat Aqara die Kritikpunkte der letzten Jahre in vielen Bereichen konsequent abgearbeitet. Die Kombination aus lokaler KI, PoE-Stromversorgung (G400), RTSP/ONVIF-Support und der Hub-Funktion des G350 macht beide Geräte zu den derzeit vielseitigsten Kameras im Consumer-Segment.
Wer heute eine Kamera für Home Assistant sucht, bekommt mit dem G350 und der G400 Wired exzellente Hardware – über RTSP, Frigate und die Matter-Bridge lassen sich komplexe Automatisierungen ohne Cloud-Zwang realisieren. Die vollständige Matter-Kamera-Integration in Home Assistant ist jedoch noch Zukunftsmusik: Sie fehlt aktuell und hängt von der weiteren Entwicklung des Matter.js-Backends ab. Wer dieses Feature als Kaufargument sieht, sollte noch etwas Geduld mitbringen – der Grundstein ist gelegt, der Bau läuft.
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