ESPHome 2026: Performance-Offensive und zweite Chance für den ESP8266
Mit den Releases 2026.1 bis 2026.3 legt ESPHome eine beeindruckende Entwicklungsserie hin: schnellere Builds, drastisch reduzierter RAM-Verbrauch und automatisches WLAN-Roaming. Besonders überraschend: Der totgeglaubte ESP8266 erlebt ein echtes Revival.
Wer ESPHome regelmäßig einsetzt, kennt das Problem: Ältere ESP8266-basierte Geräte – Sonoff-Schalter, günstige Temperatur-Sensoren oder selbstgebaute Messstationen – galten in der Community lange als Auslaufmodell. Zu wenig RAM, zu instabil, kaum noch empfohlen. Doch mit den Releases der ersten Monate 2026 hat das ESPHome-Team demonstriert, dass auch Millionen bereits verbauter ESP8266-Geräte noch lange nicht zum Elektroschrott gehören.
Heap-Speicher vervielfacht: ESP8266 bekommt zweite Chance
Das wohl spektakulärste Ergebnis der aktuellen Entwicklungsarbeit betrifft den ESP8266 direkt. In typischen Konfigurationen lag der verfügbare Heap-Speicher bislang unter 10 KB – ein Wert, bei dem Geräte regelmäßig abstürzten oder sich aufhingen. Mit ESPHome 2026.1 stieg dieser Wert auf über 30 KB. Bei einem Chip mit insgesamt rund 40 KB verfügbarem Heap ist das eine fundamentale Verbesserung, die sich im Alltag unmittelbar bemerkbar macht: Geräte, die früher instabil liefen, arbeiten nun zuverlässig; Geräte, die durch fehlenden Speicher keine OTA-Updates mehr empfangen konnten, sind wieder updatefähig.
Erreicht wurde dies durch eine konsequente Reduktion von Heap-Allokationen quer durch alle Komponenten sowie das Auslagern von Strings in den Flash-Speicher. Parallel dazu wechselten alle ESP32-Varianten mit 2026.1 auf ESP-IDF als Standard-Framework, was dort bis zu 40 % kleinere Binaries und deutlich kürzere Compile-Zeiten brachte. Das Ergebnis ist kein einzelner Trick, sondern das Zusammenkommen vieler kleiner Optimierungen – ein Ansatz, den das ESPHome-Team seit Monaten konsequent verfolgt.
WLAN-Roaming: Endlich kein Gerät mehr am falschen Access Point
ESPHome 2026.1 brachte außerdem eines der am häufigsten gewünschten Features: automatisches WLAN-Roaming. Wer in seinem Zuhause mehrere Access Points betreibt – ob als klassisches Mesh-System oder als einfache Fritzbox-Repeater-Kombination – kennt das Problem: Nach einem Stromausfall oder einem AP-Neustart verbinden sich ESPHome-Geräte oft mit dem erstbesten, nicht dem nächstgelegenen Zugangspunkt. Die Verbindung bleibt stabil genug, um nicht zu trennen, ist aber zu schlecht für zuverlässige Kommunikation. Ab 2026.1 wechseln Geräte nach dem Verbindungsaufbau automatisch zu besseren Access Points – ohne manuellen Eingriff und ohne Konfigurationsänderung.
2026.2 und 2026.3: Noch schneller, noch kleiner
Wer dachte, mit 2026.1 sei das Optimierungspotenzial ausgeschöpft, wurde eines Besseren belehrt. ESPHome 2026.2 beschleunigte ESP32-Arduino-Builds um 36 %, reduzierte den Flash-Verbrauch um 44 % und den statischen RAM-Bedarf um 50 %. Der BLE-Tracker – eine der CPU-intensivsten Komponenten – verbraucht nun rund 85 % weniger Rechenzeit. Das ist kein marginales Feintuning, sondern der Unterschied zwischen einem überlasteten und einem entspannt laufenden Mikrocontroller.
Mit 2026.3 wurde noch einmal nachgelegt: Die Kern-Schleife des Systems arbeitet beim Socket-Polling bis zu 99-mal schneller, die API-Kommunikation mit Home Assistant ist 6- bis 12-mal effizienter kodiert, und durch aggressive Devirtualisierung sowie Printf-Optimierungen wurden weitere 11 bis 20 KB Flash eingespart. Wer viele BLE-Proxy-Geräte oder Single-Core-ESP32-Chips betreibt, dürfte den Unterschied direkt spüren.
Sicherheit ist jetzt Pflicht
Parallel zur Performance-Arbeit hat das ESPHome-Team eine längst fällige Sicherheitsmigration abgeschlossen. Mit 2026.1 wurde die API-Passwort-Authentifizierung – seit Mai 2022 als veraltet markiert – endgültig entfernt. Wer seine Geräte noch mit password: statt encryption: betreibt und noch nicht migriert hat, muss das jetzt nachholen, sonst verlieren die Geräte die Verbindung zu Home Assistant. Zusätzlich sind OTA-Updates ab sofort nur noch mit SHA256-Authentifizierung möglich – ein notwendiger Schritt, um Man-in-the-Middle-Angriffe auf den Update-Prozess zu unterbinden.
Neue Hardware: RP2040 und nRF52 werden erwachsen
Neben den Performance- und Stabilitätsthemen gibt es auch auf der Hardware-Seite Neuigkeiten. Der Raspberry Pi RP2040 und sein Nachfolger RP2350 haben mit ESPHome 2026.3 offiziell First-Class-Support erhalten: pico-sdk 2.0 als Basis, über 143 vordefinierte Board-Layouts, BLE-Grundlagen und Crash-Diagnostics – genug, um den günstigen Mikrocontroller ernsthaft in Smart-Home-Projekte einzubeziehen. Ebenfalls neu: Zigbee-Unterstützung für Nordic-Semi-nRF52-Chips, womit ESPHome-Geräte künftig auch direkt als Zigbee-Endpunkte fungieren können.
Fazit: ESPHome wächst, ohne alte Geräte zurückzulassen
Was die aktuellen ESPHome-Releases auszeichnet, ist nicht ein einzelnes Killer-Feature, sondern die Konsequenz der Entwicklungsarbeit. Millionen verbauter ESP8266-Geräte bekommen mehr Speicher und Stabilität. Millionen ESP32-Geräte profitieren von schnelleren Builds und niedrigerer CPU-Last. Und neue Plattformen wie RP2040 und nRF52 öffnen die Türen für weitere DIY-Projekte.
Wer noch ESP8266-Geräte im Betrieb hat, sollte auf ESPHome 2026.1 oder neuer aktualisieren – und dabei die Migration von password: auf encryption: nicht vergessen. Das Update lohnt sich.
Quellen: ESPHome Changelog 2026.1–2026.3 (esphome.io), ESPHome GitHub Releases
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