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Alte Funktechnik weiternutzen: Home Assistant bindet RF-Geräte nativ ein

Funksteckdosen, Rollläden und Garagentore lassen sich seit Version 2026.5 direkt in Home Assistant steuern. Was die neue Plattform kann – und was du dafür brauchst.

Selbstbau-RF-Sender aus ESP32 und Sub-GHz-Funkmodul für Home Assistant

Mit Version 2026.5 hat Home Assistant Funkprotokolle im Sub-Gigahertz-Bereich zu einem festen Bestandteil der Plattform gemacht. Die neue Radio-Frequency-Integration bringt eine große Geräteklasse ins Smart Home, die bisher außen vor blieb: motorisierte Rollläden, Garagentoröffner, Deckenventilatoren, Funksteckdosen, Funkschalter und Klingeln. Diese Geräte sprechen weder WLAN noch Bluetooth, Zigbee, Z-Wave oder Matter. Sie sprechen RF, und nur RF. Genau hier setzt das neue Feature an.

Was die Radio-Frequency-Integration leistet

Die Radio-Frequency-Integration folgt demselben Muster wie die Infrarot-Plattform aus Version 2026.4. Sie ist ein eigener Entity-Typ, der einen RF-Sender repräsentiert. Ein typisches Beispiel ist ein ESPHome-Gerät mit angeschlossenem Sub-GHz-Transmitter. Anwender richten diese Integration nicht direkt ein. Stattdessen nutzen andere Integrationen sie, um RF-Befehle zu senden. Der Nutzer wählt lediglich aus, welcher Sender dafür verwendet werden soll.

Home Assistant bezeichnet das als Building-Block-Integration. Sie lässt sich nicht eigenständig hinzufügen, sondern wird von gerätespezifischen Integrationen verwendet. Das Prinzip ist von der Bluetooth- und der Infrarot-Plattform bereits bekannt. Der Vorteil dieser Architektur liegt in der Wiederverwendbarkeit. Jede neue Geräteintegration, die auf der Plattform aufsetzt, funktioniert sofort mit jedem kompatiblen Sender. Wer einen ESPHome-RF-Proxy im Haus ergänzt, kann darüber Rollläden, Ventilatoren und Lichterketten ansteuern, ohne für jedes Gerät eine eigene Lösung zu bauen.

Ein technisches Detail ist für das Verständnis wichtig. Eine Radio-Frequency-Entity ist im klassischen Sinn zustandslos. Sie kennt kein "an" oder "aus". Ihr State ist ein Zeitstempel, der angibt, wann zuletzt ein RF-Befehl gesendet wurde. Die Plattform sendet also, sie empfängt nicht. Das Logbuch kann zusätzlich anzeigen, welche Integration oder Aktion eine Übertragung ausgelöst hat. Wer eine Rückmeldung vom Gerät erwartet, etwa den tatsächlichen Status eines Rollladens, wird sie über diesen Weg nicht bekommen.

RF-Steuerung in Home Assistant ist nicht neu. Bisher liefen solche Setups über Umwege. Die rpi_rf-Integration sprach einen Sender direkt am Raspberry Pi an. Der Sonoff RF Bridge mit alternativer Firmware oder ein ESPHome-Gerät mit manuell kopierten Roh-Signalen waren weitere Wege. All das funktionierte, blieb aber Bastellösung. Jedes Gerät erforderte eigene Konfiguration, jede Automation eigene Logik. Was bisher fehlte, war ein einheitlicher Unterbau, auf dem Geräteintegrationen aufsetzen können. Genau diese Lücke schließt die neue Plattform. Sie standardisiert, was vorher fragmentiert war.

Ein verbreitetes Missverständnis sollte man hier ausräumen. Die Plattform ist kein universeller Funk-Lernmodus. Home Assistant kann nicht einfach eine beliebige Funkfernbedienung anlernen und jedes RF-Gerät steuern. Die Plattform ist ein Framework. Jedes Gerät braucht weiterhin eine passende Consumer-Integration und einen hinterlegten Code-Satz. Diese Codes liegen in einer separaten Bibliothek namens rf-protocols, außerhalb von Home Assistant. Wer ein Gerät unterstützen will, das noch keine Integration hat, muss den passenden Code dort beitragen oder eine eigene Implementierung bereitstellen. Der Sender allein genügt nicht.

Eine weitere Einschränkung betrifft die Modulation. In der ersten Ausbaustufe unterstützt die Plattform ausschließlich On-Off-Keying (OOK). Das ist die einfachste und bei günstigen 433-MHz-Geräten am weitesten verbreitete Modulationsart. Geräte, die andere Verfahren nutzen, lassen sich vorerst nicht ansteuern. Laut Entwicklerdokumentation können spätere Releases weitere Modulationstypen ergänzen.

Sender und Geräte zum Start

Zwei Sender-Integrationen unterstützen die Plattform vom ersten Tag an. Auf der Geräteseite sind ebenfalls zwei Integrationen verfügbar. Die folgende Tabelle fasst zusammen, was zum Release am 6. Mai 2026 nutzbar ist.

KomponenteNameFunktionEinschränkung
SenderESPHomeBeliebiges ESPHome-Gerät mit Sub-GHz-TransmitterSelbstbau erforderlich
SenderBroadlink RM4 ProVorhandenes Broadlink-Gerät als RF-SenderNur 433-MHz-Band
GerätHoneywell String LightsFunkgesteuerte Lichterketten schaltenNur Ein/Aus
GerätNovy Cooker HoodLicht und Lüfter einer DunstabzugshaubeDeckenmontage typisch

Die Geräteauswahl wirkt schmal. Das ist sie auch. Honeywell-Lichterketten und Novy-Dunstabzugshauben sind keine Massengeräte im deutschen Smart Home. Der Wert dieses Releases liegt nicht in der Liste der unterstützten Geräte. Er liegt in der Infrastruktur, auf der künftige Integrationen aufbauen.

Beim Broadlink RM4 Pro ist eine Einschränkung zu beachten. Es ist das einzige Modell der RM4-Reihe mit RF-Unterstützung, und es beherrscht nur das 433-MHz-Band. Wer ein Gerät auf 868 MHz ansteuern will, kommt mit dem Broadlink nicht weiter und braucht eine ESPHome-Lösung.

Die ESPHome-Variante: günstig, aber technisch

Für Selbstbauer empfiehlt Home Assistant das CC1101-Modul. Es kostet rund zehn Euro und wird an einen ESP32 angeschlossen. Die meisten dieser Module decken alle gängigen Sub-GHz-Bänder ab: 315, 433, 868 und 915 MHz. Ein einziger Sender kann damit eine breite Palette von Geräten erreichen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Aufbau findet sich in der ESPHome-Dokumentation.

In welchem Band ein Gerät funkt, hängt von Hersteller und Region ab. Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Bänder ein.

BandTypische GeräteRegion
315 MHzGaragentore, FunkschalterVorwiegend Nordamerika, Asien
433 MHzFunksteckdosen, Rollläden, KlingelnWeltweit verbreitet, auch Europa
868 MHzHochwertigere FunktechnikEuropa
915 MHzDiverse FunkgeräteNordamerika

Ein wichtiger Konfigurationshinweis betrifft die ESPHome-Seite. Für RF-Anwendungen wie 433-MHz-Sender muss der Parameter carrier_duty_percent auf 100 Prozent stehen. Bei Infrarot-LEDs liegt dieser Wert dagegen bei 50 Prozent. Wer hier den falschen Wert setzt, sendet ein unbrauchbares Signal. Für die Signalqualität ist außerdem ein ESP32 empfehlenswert. Die meisten Varianten besitzen eine dedizierte RMT-Hardware, die für präzises Signal-Timing sorgt. Die Varianten ESP32-C2 und ESP32-C61 haben diese Hardware nicht und greifen auf eine Software-Lösung zurück.

Home Assistant ist beim Reifegrad ehrlich. Ein RF-Sender ist heute kein Ein-Klick-Erlebnis. Wer die Funktion nutzen will, baut ein ESPHome-Gerät, schreibt eine YAML-Konfiguration, flasht die Firmware und verkabelt die Hardware. Das ist machbar, liegt aber klar auf der technischen Seite. Genau wie bei den Bluetooth- und Infrarot-Proxies zuvor soll die Einrichtung mit jedem Release zugänglicher werden.

Ein praktischer Punkt betrifft das Senden selbst. RF-Funksteckdosen quittieren einen Befehl nicht. Damit ein Signal sicher ankommt, wird es mehrfach wiederholt. ESPHome bildet das über den Parameter repeat ab. Für ein Verhalten wie bei der klassischen rpi_rf-Integration empfiehlt die Dokumentation, den Befehl zehnmal mit einer Wartezeit von null Sekunden zu senden. Wer einmalig sendet, riskiert, dass die Steckdose den Befehl verpasst. Dieses Detail entscheidet in der Praxis über Zuverlässigkeit.

Warum das Feature mehr ist als zwei neue Geräte

Der eigentliche Gewinn liegt im Grundsätzlichen. Eine große Menge funktionierender RF-Hardware hat bislang keine Anbindung an ein modernes Smart Home. Die neue Plattform schafft einen einheitlichen Weg, mit diesen Geräten zu sprechen. Das passt zur Linie der Open Home Foundation, besonders zum Thema Nachhaltigkeit. Statt einen funktionierenden Rollladen zu entsorgen, weil er "dumm" ist, lässt er sich einbinden. Statt funktionierende Funksteckdosen gegen neue WLAN-Modelle zu tauschen, bleiben sie in Betrieb. Das verlängert die Lebensdauer vorhandener Geräte und reduziert Elektroschrott.

Diese Logik zieht sich durch das gesamte Release. Im selben Update kam die Möglichkeit, serielle Schnittstellen über ESPHome im Netzwerk bereitzustellen. Auch das folgt dem Gedanken, vorhandene Hardware weiterzunutzen statt zu ersetzen. RF, Infrarot und serielle Proxies bilden zusammen ein Muster: Home Assistant öffnet sich Schritt für Schritt für ältere Protokolle, die lange als Sackgasse galten.

Bei aller Begeisterung lohnt ein nüchterner Blick auf die Grenzen. Viele günstige 433-MHz-Geräte arbeiten mit festen Codes ohne Verschlüsselung. Wer einen Garagentoröffner über RF ansteuert, sollte wissen, dass solche Funkstrecken grundsätzlich abhörbar und nachahmbar sind. Das ist keine Schwäche der Home-Assistant-Integration, sondern eine Eigenschaft der zugrunde liegenden Technik. Für eine Lichterkette spielt das keine Rolle. Bei sicherheitsrelevanten Geräten wie Toren ist es ein Punkt, den man kennen sollte. Geräte mit Rolling Codes, etwa von Brennenstuhl, sind in dieser Hinsicht besser aufgestellt, erfordern aber eine entsprechend angepasste Konfiguration.

Ein Blick nach vorn ist ebenfalls möglich. Beim State of the Open Home 2026 in Utrecht gab Nabu Casa einen Ausblick auf ein Gerät mit dem Codenamen "Project Blast". Es soll Infrarot und Funk in einem fertigen Paket vereinen. Die neue Radio-Frequency-Plattform ist Teil der Grundlage, die solche Produkte möglich macht. Ein fertiges, vorkonfiguriertes Gerät würde die größte Hürde beseitigen, die heute noch besteht: den Selbstbau.

Einordnung: für wen sich der Einstieg lohnt

Wer bereits mit ESPHome arbeitet, findet hier eine logische Erweiterung. Das CC1101-Modul ist günstig, die Integration sauber in die Plattform eingebettet, und die Bandbreite an erreichbaren Geräten ist groß. Für diese Gruppe ist das Feature ein klarer Zugewinn. Wer einen Broadlink RM4 Pro besitzt, kann ihn ohne Zusatzkosten als 433-MHz-Sender weiternutzen.

Wer dagegen eine fertige Lösung ohne Lötkolben und YAML erwartet, sollte abwarten. Die heute unterstützten Geräte sind eine schmale Auswahl, und der Aufbau verlangt technisches Vorgehen. Für diese Nutzer ist das angekündigte Nabu-Casa-Gerät die interessantere Perspektive. Bis dahin gilt: Die Plattform steht, die Geräteliste wächst. Die Radio-Frequency-Integration ist ein Fundament, kein fertiges Haus.

Quellen

Zur News-Übersicht

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