Home Assistant 2026.4: Infrarot-Steuerung und Naming-Revolution für Entities
Home Assistant 2026.4 bringt native Infrarot-Steuerung, eine umfassende Entity-Namensreform und moderne Backup-Verschlüsselung.
Das Release erscheint planmäßig am 1. April 2026. Die finale Veröffentlichung wird von einem Livestream auf YouTube begleitet (20:00 GMT). Während die IR-Unterstützung auf breite Zustimmung stößt, sorgt die Entity-Naming-Änderung für kontroverse Diskussionen im Community-Forum.
Native Infrarot-Steuerung macht Altgeräte smart
Das Headline-Feature von 2026.4 ist die native Infrarot-Proxy-Unterstützung nach dem bewährten Bluetooth-Proxy-Konzept. Günstige ESPHome-basierte Geräte mit IR-Transmitter senden Infrarot-Befehle im Auftrag von Home Assistant und erweitern die Reichweite im gesamten Zuhause. Als Hardware empfiehlt das Team den Seeed Studio XIAO IR Mate für 9,99 US-Dollar. Das Gerät kommt bereits mit ESPHome vorgeflasht und lässt sich direkt im Browser konfigurieren.
Die neue abstrakte Infrared-Entity bildet eine Schicht zwischen IR-Hardware (ESPHome, Broadlink, ZHA) und geräte-spezifischen Integrationen. Als erste Consumer-Integration startet LG Infrared. Sie bindet LG-Fernseher als Media-Player-Entity mit Lautstärke-, Kanal- und Wiedergabesteuerung ein – plus Button-Entities für alle gängigen Fernbedienungsfunktionen wie Eingangswahl und Navigation. Da Infrarot ein Einweg-Protokoll ist, arbeitet das System mit angenommenen Zuständen (assumed states). Weitere Hersteller-Integrationen sollen folgen. Die Community reagiert positiv und bezeichnet das Feature als „Game-Changer" für Legacy-Geräte wie alte Klimaanlagen und Fernseher.
Entity-Naming-Reform nach vier Jahren abgeschlossen
Die umstrittenste Neuerung ist der Abschluss der Entity-Naming-Überarbeitung. Sie läuft seit Juli 2022 und betrifft nun praktisch jede Integration. Entity-Namen enthalten künftig konsistent den Gerätenamen als Kontext-Präfix. Beim Update auf 2026.4 führt Home Assistant eine einmalige automatische Migration durch. Hat ein Nutzer einen Entity-Namen vergeben, der bereits mit dem Gerätenamen beginnt (z.B. „Bewegungsmelder Temperatur"), wird das Duplikat-Präfix entfernt. Passt der benutzerdefinierte Name nicht zum Gerätenamen, bleibt der alte vollständige Name als Assist-Voice-Alias erhalten. Sprachbefehle funktionieren damit weiterhin.
Im Community-Forum hat die Änderung erheblichen Widerstand ausgelöst. Nutzer kündigten an, „mindestens ein paar Monate" abzuwarten. Ein andere User fand 49 betroffene Stellen in seiner Konfiguration – von YAML-Templates über Markdown-Cards bis hin zu Benachrichtigungen. Kritisiert wird insbesondere das Fehlen einer Vorwarnphase über mehrere Releases hinweg. Das Entwicklerteam reagierte bereits während der Beta: Frontend-PR #30337 fügt einen Umschalter zwischen „Composed" (dynamisch) und „Text" (benutzerdefiniert) im Entity-Name-Picker hinzu.
SecureTar v3 bringt erstklassige Backup-Verschlüsselung
Ab 2026.4 nutzen alle neuen Backups das SecureTar-v3-Format mit deutlich modernerer Kryptographie. Die Schlüsselableitung erfolgt über Argon2id (speicher-intensiv, Brute-Force-resistent). Die Verschlüsselung läuft über XChaCha20-Poly1305 via libsodium mit 256-Bit-Schlüsseln. Jeder Backup-Teil erhält einen eigenen Sub-Key. Die Implementierung wurde von Trail of Bits unabhängig auditiert – drei Findings (zwei informationell, eines medium) wurden alle vor Release behoben. Das Audit wurde von der Open Home Foundation finanziert. Bestehende Backups bleiben sicher, da Home Assistants generierte Passphrasen bereits hohe Entropie aufweisen. Nutzer mit kurzen manuellen Passwörtern für CLI-Backups sollten jedoch neue Passwörter wählen.
Zweckspezifische Trigger machen Automationen intelligenter
Die in Home Assistant Labs verfügbaren Purpose-Specific Triggers and Conditions nähern sich der Vollständigkeit. Das wichtigste Update: Trigger können nun Areas und Labels statt einzelner Entities als Ziel verwenden. Ein Bewegungs-Trigger für das „Büro" erkennt automatisch alle relevanten Bewegungssensoren in diesem Bereich. Neu hinzugekommen sind Trigger für Batterielevel (niedrig, Laden gestartet/gestoppt), Belegung (Occupancy) und Temperatur (Schwellenwert-basiert). Wichtig: Occupancy-Trigger sind von der binary_sensor-Domain in eine neue occupancy-Domain umgezogen – bestehende Automationen müssen angepasst werden.
15 neue Integrationen und weitere Verbesserungen
Das Release bringt 15 neue Integrationen. Darunter Dropbox als Backup-Ziel, Unify Access für lokale Türschloss-Verwaltung, Casper Glow (Bluetooth-Schlaflichter, Silber-Qualitätsstufe), Fresh-r für Lüftungsüberwachung, Chess.com für Spielerstatistiken und Autoskope für Fahrzeug-Tracking. Bestehende Integrationen erhielten ebenfalls Updates – SmartThings unterstützt nun Lüftergeschwindigkeiten, Fahrmodus und Wassersprühlevel.
Im Dashboard-Bereich können Sektionen nun Hintergrundfarben erhalten. Bei der Sprachsteuerung versteht Assist nun Befehle wie „Reinige die Küche" für Staubsauger-Roboter. Nutzer können außerdem einsehen, was die KI-gestützte Assist-Pipeline „denkt", während sie Anfragen verarbeitet. Für Matter-kompatible Türschlösser gibt es ein neues Verwaltungs-Interface mit PIN-Code-Vergabe und Einmalzugang.
Breaking Changes erfordern Aufmerksamkeit
Neben der Entity-Naming-Migration und dem Occupancy-Domain-Wechsel gibt es weitere Breaking Changes. Bei MQTT wurde object_id durch default_entity_id ersetzt – Nutzer mit eigenen ESP32-MQTT-Discovery-Konfigurationen müssen anpassen. Das Litter-Robot 4 verliert den Nachtlicht-Switch, Motion Blinds ändern die Tilt-Position-Handhabung, und der Telegram-Bot akzeptiert keine ungenutzten Parameter mehr. Zwei Integrationen wurden vollständig entfernt: Duke Energy (Authentifizierung seit November 2025 defekt) und Tfiac (Dependencies seit HA 2024.10 deaktiviert). Änderungen betreffen außerdem Tuya, Z-Wave und Pyload.
Fazit: Ambitioniertes Release mit Konfliktpotenzial
Home Assistant 2026.4 ist ein technisch ambitioniertes Release. Die native IR-Unterstützung schließt eine echte Lücke im Smart-Home-Ökosystem und macht Millionen von Altgeräten zugänglich – für unter 10 Dollar. Die SecureTar-v3-Verschlüsselung mit unabhängigem Audit setzt neue Maßstäbe bei der Backup-Sicherheit. Die Purpose-Specific Triggers vereinfachen Automationen spürbar. Die Entity-Naming-Reform birgt jedoch erhebliches Frustpotenzial bei Power-Usern mit komplexen Setups. Ob die während der Beta eingeführten Kompromisse (PR #30337) ausreichen, wird sich nach dem offiziellen Release am 1. April zeigen. Die State of the Open Home 2026 am 8. April in Utrecht dürfte weitere Einblicke in die Roadmap liefern.
Quellen:
- 2026.4 Beta: Infrared never left the chat – Home Assistant (offizieller Release-Blog)
- Modernizing encryption of Home Assistant backups – Home Assistant (Security-Audit)
- 2026.4 Beta week – Home Assistant Community Forum
-
| Shelly
Shelly hat für das Frühjahr 2026 eine eigene Top-10-Liste veröffentlicht – zehn Geräte, die laut Hersteller gerade besonders relevant sind. Was steckt…
-
| Home Assistant
Mit der GRILLPLATS führt IKEA eine Matter-kompatible Steckdose ein, die neben der Schaltfunktion auch den Stromverbrauch erfasst. Dadurch schließt das…
-
| Home Assistant
Wer in die Welt von Home Assistant einsteigt, landet fast immer beim Raspberry Pi. Er gilt als der Inbegriff der geringen Einstiegshürde. Doch 2026…