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Shelly Ecowitt WS90: Wetterstation für Shelly-App, Home Assistant & Co.

| Shelly | Frank Specht

Die Wetterstation, die deine Markise vor Sturm schützt und deine Bewässerung im Regen abschaltet. Was sie kann, wo sie patzt, was sie kostet.

Keine beweglichen Teile, kein Verschleiß

Die meisten günstigen Wetterstationen arbeiten mit beweglichen Teilen. Ein Schalenkreuz für den Wind. Eine Wippe für den Regen. Beide Mechaniken altern, verschmutzen, fallen aus. Die WS90 setzt auf Solid-State-Sensorik. Ein Ultraschallsensor misst den Wind, ein piezoelektrischer Sensor erkennt den Regen. Das Gehäuse ist nach IPX5 gegen Strahlwasser geschützt.

Insgesamt deckt die Station sieben Messwerte ab:

  • Windgeschwindigkeit, Böen und -richtung (Ultraschall)
  • Niederschlag (haptisch/piezoelektrisch)
  • Temperatur und Luftfeuchtigkeit
  • UV-Index und Beleuchtungsstärke
  • Luftdruck (für Trendvorhersagen)

Der Luftdrucksensor zählt in der „7-in-1"-Bezeichnung nicht extra, ist aber an Bord.

Original Ecowitt oder Shelly-Variante?

Die WS90 gibt es in zwei Versionen. Die Verwechslungsgefahr ist hoch.

Die Original-Variante von Ecowitt* funkt auf 868 MHz und braucht ein Ecowitt-Gateway wie das GW1100, GW2000 oder GW3000. In Home Assistant landet sie über die offizielle Ecowitt-Integration und liefert dort fertige Entitäten für Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresregen.

Die „Powered by Shelly"-Variante"* trägt einen ShellyX-Chip. Sie sendet ihre Daten über Bluetooth (BTHome) und Zigbee gleichzeitig. Ein Ecowitt-Gateway funktioniert hier nicht.

Die Entscheidung ist einfach. Wer schon Shelly-Geräte oder einen Zigbee-Hub hat, nimmt die Shelly-Variante. Wer bereits Ecowitt-Sensoren nutzt, bleibt beim Original.

Was die Sensoren wirklich liefern

Hier der nüchterne Blick auf die offiziellen Specs der Shelly-Variante:

MesswertBereichGenauigkeit
Windgeschwindigkeit0–40 m/s±1 m/s (<10 m/s), ±10 % (≥10 m/s)
Windrichtung0–359°±15°
Temperatur−40 bis +60 °C±1 °C
Luftfeuchtigkeit1–99 % RH±5 %
UV-Index1–15±2
Beleuchtungsstärke0–200 klx±25 %
Niederschlag0–9999 mm±10–20 % je nach Intensität
Luftdruck300–1100 hPa±1 hPa

Temperatur und Luftdruck sind sauber. UV-Index und Beleuchtungsstärke nicht. ±2 beim UV-Index und ±25 % bei der Helligkeit sind Pi-mal-Daumen-Werte. Für Smart-Home-Automationen reicht das. Für meteorologische Auswertungen nicht.

Der Wind hängt stark vom Aufstellort ab. Der WMO-Standard verlangt einen Mast in 10 Meter Höhe ohne Hindernisse im Umkreis von 100 Metern. Realistisch erreicht das niemand. Für „Markise einfahren bei Sturm" reichen die Werte trotzdem.

Solarstrom, Batterien und Heizung: Wie die Stromversorgung funktioniert

Die WS90 hat drei mögliche Energiequellen. Auf den ersten Blick verwirrend, aber durchdacht.

Hauptversorgung: Das integrierte Solarpanel liefert 7,5 V bei rund 30 mA und lädt einen Supercap in der Station. Der Supercap überbrückt Nacht und kurze Schlechtwetterphasen.

Backup: Reichen Solar und Supercap nicht aus – etwa im Winter bei kurzen Tagen oder bei dauerhafter Verschattung –, übernehmen zwei AA-Batterien. Sie halten laut Hersteller bis zu sechs Monate.

Heizung mit 12 V: Optional gibt es ein 12-V-Netzteil mit Anschlusskabel zur Station. Das Kabel hat zwei Funktionen: Es speist die integrierte Heizplatte und versorgt die Station gleichzeitig dauerhaft mit Strom. Wer das Netzteil nutzt, braucht weder Batterien noch Sonne.

Welche Batterien rein dürfen

Bei den Batterien gibt es klare Vorgaben. Empfohlen werden AA-Lithium-Primärzellen, vor allem in kalten Klimazonen. Sie funktionieren bis −40 °C und sind unempfindlich gegen Temperaturschwankungen.

Alkaline-Batterien funktionieren auch, sind aber nicht ideal. Bei aktivierter Heizung wird es im Inneren der Station warm, und Alkaline-Zellen laufen bei Hitze gerne aus. Wer die Heizung nutzt, sollte die Alkaline-Variante meiden.

Wichtig: NiMH- oder NiCd-Akkus sind vom Hersteller ausdrücklich nicht erlaubt. Das Solarpanel lädt nur den Supercap, nicht die AA-Zellen. Eneloops und Co. würden also nicht nachgeladen, sondern nur entladen werden.

Brauche ich die Heizung?

Zwingend nicht. Die Station funktioniert komplett ohne. Die Heizung schützt vor allem den Ultraschall-Anemometer vor Schnee und Eis. Bei Frost können sich die Sensorflächen zusetzen, dann fällt die Windmessung aus.

Sinnvoll ist die Heizung laut Hersteller, wenn die Tiefsttemperatur regelmäßig unter −3 °C liegt und gleichzeitig viel Schnee oder Regen fällt. Sie hat einen eigenen Thermostat: Aktiv unter 0 °C, abgeschaltet über 10 °C. Du musst nichts manuell steuern.

Wichtig zu wissen: Die Heizung schützt nicht vor Schnee, der von oben auf das Gehäuse fällt. Die obere Abdeckung wird nicht beheizt. Bei starkem Schneefall musst du die Station gelegentlich manuell freikehren, sonst leidet die Solarladung und die Regenmessung.

Im milden Tiefland-Winter ist die Heizung verzichtbar. Wer im Bergland wohnt oder ganzjährig zuverlässige Winddaten braucht, sollte das Netzteil dazunehmen.

Drei Wege in den Home Assistant

Genau hier wird es interessant. Die WS90 lässt sich auf drei Wegen mit Home Assistant koppeln. Jeder hat seine Eigenheiten.

Weg 1: Bluetooth über ein Shelly-Gateway

Der einfachste Weg. Du brauchst ein Shelly BLU Gateway oder ein beliebiges Shelly-Plus-, Pro-, Gen3- oder Gen4-Gerät als Bluetooth-Bridge. Die Wetterstation sendet alle 8,8 Sekunden ein BTHome-Datenpaket. Home Assistant empfängt das automatisch.

Über Bluetooth kommen folgende Werte an:

  • Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck
  • Wind, Windrichtung, Böen
  • UV-Index, Beleuchtungsstärke
  • Regen-Status (regnet/regnet nicht) und Gesamtniederschlag

Bluetooth liefert nur den absoluten Gesamtniederschlag seit der letzten Kalibrierung. Für tägliche, wöchentliche oder monatliche Werte legst du in Home Assistant einen Utility Meter pro Zyklus an. Der Helper ist Bordmittel und in zwei Minuten eingerichtet. Wer Tag, Woche, Monat und Jahr in einem Rutsch konfigurieren will, kann zu MeasureIt aus dem HACS greifen – legt im Config-Flow alle Perioden auf einmal an.

Reichweite ist beim Bluetooth-Weg der kritische Faktor. BLE schafft im Freien typischerweise 10 bis 30 Meter, durch Wände entsprechend weniger. Steht die Wetterstation hinten im Garten, brauchst du das Shelly-Gateway in Reichweite – etwa als Außensteckdose oder im Schuppen.

Weg 2: Zigbee über ZHA oder Zigbee2MQTT

Der zweite Weg läuft über deinen vorhandenen Zigbee-Koordinator. Sonoff-Stick, ConBee, SkyConnect – alles funktioniert. Sowohl ZHA als auch Zigbee2MQTT unterstützen die WS90 inzwischen mit allen Sensoren.

Die WS90 nutzt herstellerspezifische Cluster (0xFC01 für Wind, 0xFC02 für UV, 0xFC03 für Regen). Beide Integrationen lösen das mit eigenen Geräte-Handlern auf. Bei ZHA wurde der nötige Quirk Anfang 2026 gemerged und ist seitdem im offiziellen Release enthalten.

Achtung: Über ZHA berichten Anwender vereinzelt von Aussetzern. Der kumulative Niederschlagswert springt gelegentlich auf Null und zurück, der Böensensor zeigt selten absurde Spikes von mehreren Tausend km/h. Wer Bewässerung oder Sturmwarnung über diese Werte automatisiert, sollte Filter-Helper einbauen.

Zigbee hat den Vorteil eines Mesh-Netzwerks. Andere Zigbee-Geräte wie netzbetriebene Lampen oder Steckdosen funktionieren als Repeater. Damit kommst du auch in entferntere Gartenecken, wo Bluetooth längst aussteigt.

Weg 3: Bluetooth und Zigbee parallel

Eine Besonderheit der WS90. Sie funkt beide Protokolle gleichzeitig. In Home Assistant landen die Werte dann doppelt.

Sinnvoll ist das selten. Etwa wenn du die App-Steuerung über Shelly behalten willst, die Automationen aber über Zigbee laufen sollen. Für die meisten reicht ein Weg.

Sinnvolle Automationen mit den Wetterdaten

Ein paar Beispiele, was sich mit den Werten umsetzen lässt:

Markise und Rollläden: Bei Böen über 8 m/s fährt die Markise automatisch ein. Bei intensiver Sonneneinstrahlung schließen die Süd-Rollläden teilweise.

Bewässerung: Hat es in den letzten 24 Stunden mehr als 5 mm geregnet, fällt die Gartenbewässerung aus.

Sturmwarnung: Über 15 m/s Böengeschwindigkeit löst eine Push-Benachrichtigung aus. Gartenmöbel sichern, Fenster schließen.

Diese Szenarien laufen nur dann zuverlässig, wenn die Werte für deinen Standort stimmen. Dafür gibt es die Offset-Funktion.

Offset-Korrektur am Aufstellort

Jeder Aufstellort hat seine Eigenheiten. Eine Wetterstation an der Hauswand misst zu warm. Der Wind verfälscht sich am Gebäude. Genau hier helfen die Offsets.

Die WS90 erlaubt Offset-Korrekturen für Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Windrichtung. Für Beleuchtung, UV und Wind gibt es zusätzlich Gain-Korrekturen. Eingegeben werden die Werte über die Shelly Smart Control App. Als Referenz reicht eine kalibrierte Vergleichsmessung oder eine nahegelegene Wetterstation.

Preis, Schwächen und Fazit

Ein Blick in die Foren zeigt ein gemischtes Bild. Die Hardware bekommt gute Noten. Die Kritik trifft fast ausschließlich die Shelly Smart Control App: Sie liefert weniger Werte als technisch möglich, etwa keine Tagesregensumme. Der Regensensor erkennt zuverlässig, ob es regnet – die exakte Menge ist technologiebedingt ungenauer als bei einer Wippe.

Wer die Station über Home Assistant nutzt, ist von den Schwächen der Shelly-App weitgehend unabhängig. Tagessummen, Wochenwerte, Monatsstatistiken oder eigene Trigger lassen sich mit Bordmitteln wie Utility Meter oder MeasureIt sauber bauen. Die App wird damit zum bloßen Einrichtungswerkzeug.

Die WS90 „Powered by Shelly" liegt bei um die 200,00€ (aktuellen Preis bei Amazon prüfen*). Im Lieferumfang sind Station und Anleitung. Batterien, Montagerohr (Ø 25 mm) und das 12-V-Netzteil für die Heizung kommen extra dazu.

Für wen lohnt sich die Station? Beide WS90-Varianten basieren auf derselben Hardware-Plattform von Fine Offset Electronics. Die Entscheidung läuft über das Ökosystem. Wer Shelly-Geräte oder einen Zigbee-Hub hat und Home Assistant nutzt, fährt mit der Shelly-Variante gut. Wer eine eigene Konsole im Haus haben will oder die fertigen Tages-/Wochen-/Monatswerte aus der Ecowitt-Integration schätzt, bleibt beim Original. Voraussetzung in beiden Fällen: Du akzeptierst die technologiebedingt ungenauere Niederschlagsmessung.

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